Gazprom

Die Ehrenkabine des FC Schalke 04

Willy Gies

(*01.02.1890, †15.09.1931)

Spieljahre: 1904 - ca. 1914

Ohne ihn gäbe es Schalke 04 nicht. Der 14-jährige Willy Gies unterbreitet 1904 den Jungs aus der Nachbarschaft – allesamt Lehrlinge bei Küppersbusch und auf der Zeche Consol – einen Plan: Wir gründen einen Fußballverein. In Straßenschuhen und mit dem ausrangierten Ball eines anderen Vereins beginnt die Geschichte von Westfalia Schalke. Und Willy Gies ist der Anführer. Weil in England der Fußball bereits Publikumssport ist, prophezeit er der Mannschaft: „Auch wir werden einmal vor 90.000 Zuschauern spielen…“

Edi Frühwirth

(*17.11.1908, †27.02.1973)

Trainer auf Schalke: 1954-1959

Deutscher Meister: 1958

Er führt den FC Schalke 04 im Jahre 1958 zur bislang letzten Deutschen Meisterschaft. Dies gelingt Edi Frühwirth, weil der einstige österreichische Nationaltrainer ein herausragender Fußballfachmann ist und Sozialkompetenz besitzt. Sind Ende der 50er-Jahre „harte Hunde“ als Trainer in Mode, lässt der Wiener nie menschliche Wärme vermissen. Der 3:0-Erfolg im Endspiel über den Hamburger SV ist die Krönung seiner Arbeit. Länger als Frühwirth ist nur Huub Stevens Trainer auf Schalke. 1973 stirbt der Meistertrainer bei einem Autounfall.

Ernst Kalwitzki

(*03.10.1909, †03.02.1991)

Spieljahre: 1933-1942

Deutscher Meister: 1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942
Deutscher Pokalsieger: 1937

Ernst Kalwitzki ist ein Titelsammler und ein Torjäger, wie es in der Vereinsgeschichte nur wenige gegeben hat. Bei allen (!) sechs Deutschen Meisterschaften der Kreiselelf steht der wieselflinke Rechtsaußen und Mittelstürmer auf dem Platz und steuert wichtige Tore bei. 1939 sind es sogar fünf, als die Knappen Admira Wien mit 9:0 deklassieren. Seine Quote von 195 Treffern in 246 Pflichtspielen belegt seine herausragende Klasse. Dem Club bleibt er später als Platzwart der Glückauf-Kampfbahn erhalten.

Charly Neumann

(*29.07.1931, †11.11.2008)

Vereinsmitglied seit: 01.08.1950

Mannschaftsbetreuer: 1976-2008

Charly Neumann wird nie ein großer Fußballer, und doch kennt jeder Fan in Deutschland seinen Namen und verbindet ihn mit Schalke 04. Zunächst Jugendleiter, dann drei Jahrzehnte Mannschaftsbetreuer, ist Charly ein leidenschaftliches Original, das zur Identifikationsfigur wird: Spielern liest er jeden Wunsch von den Augen ab. Seine Hilfsbereitschaft und Fürsorge gegenüber Fans ist einmalig. Das gilt auch für sein Motto: „In schlechten Zeiten müsst ihr Schalker sein. In guten gibt es genug davon.“

Ebbe Sand

(*19.07.1972)

Spieljahre: 1999-2006

Vize-Meister: 2001, 2005
Deutscher Pokalsieger: 2001, 2002

Ebbe Sand ist einer der ganz großen Schalker Publikumslieblinge. Seine 22 Tore tragen in der Saison 2000/2001 maßgeblich dazu bei, dass Schalke 04 um ein Haar Deutscher Meister wird. Niemand trauert dem entgangenen Titel wohl mehr nach als der Däne. Mit den Knappen gewinnt der Stürmer zweimal den DFB-Pokal. Als er sich 2006 mit einem Abschiedsspiel in der Arena von den Fans verabschiedet, flißene viele Tränen – auf dem Rasen und auf den Rängen.

Herbert Lütkebohmert

(*24.03.1948, †29.10.1993)

Spieljahre: 1968-1979

Vize-Meister: 1972
Deutscher Pokalsieger: 1972

Es sind Erinnerungen, bei denen jeder Schalker, der sie miterlebt hat, sentimental wird: Mit wehendem Blondschopf und herunterhängenden Stutzen ackert Herbert „Aki“ Lütkebohmert im defensiven Mittelfeld. Klaus Fischer profitiert von seinen Vorlagen, er selbst erzielt in 286 Bundesligaspielen immerhin 28 Tore und wird 1972 Pokalsieger. Seine tragische Verstrickung in den Bundesligaskandal kostet ihn eine Karriere in der Nationalmannschaft. Nach seiner aktiven Karriere meint es das Leben nicht gut mit Aki. 1993 stirbt er an Knochenkrebs.

Jiri Nemec

(*15.05.1966)

Spieljahre: 1993-2002

UEFA-Cup-Sieger: 1997
Vize-Meister: 2001
Deutscher Pokalsieger: 2001, 2002

Die einen nennen ihn den „Schweiger“, weil er aus Prinzip (fast) keine Interviews gibt, die anderen den „Meister“, weil er ein Könner auf dem Fußballplatz ist. Für Rudi Assauer ist er der „Stratege“, weil kaum jemand das Spiel so gut liest wie er. Tatsächlich ist Jiri Nemec einer der besten Einkäufe der Vereinsgeschichte. Tore schießt er zwar eher aus Versehen, doch überragende Ballgewinne und kluge Pässe sind die Spezialität des Kapitäns der tschechischen Nationalelf. Sie machen ihn neun Jahre für Schalke unverzichtbar.

Otto Tibulsky

(*15.12.1912, †25.02.1991)

Spieljahre: 1930-1948

Deutscher Meister: 1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942
Deutscher Pokalsieger: 1937

Otto Tibulsky, den alle nur Ötte nennen, ist als Mittelläufer „Kopf der Verteidigung“, der „Betonklotz, an dem der Angriff des Gegners zerschellt“, wie ihn die Presse beschreibt. Nach der Balleroberung wirft er mit präzisem Passspiel den Kreisel an. Fähigkeiten, die er bei 14 Endspielen um Meisterschaft und Pokal einbringt. Für seine großen Verdienste erhält Tibulsky nach Fritz Szepan und Ernst Kuzorra als dritter Spieler den Ehrenring des Vereins. Nach ihm wird eine Straße des Vereinsgeländes benannt.

Marcelo Bordon

(*07.01.1976)

Spieljahre: 2004-2010

Vize-Meister: 2005, 2007, 2010

Sechs Jahre lang ist er unumstrittener Abwehrchef, drei Jahre Mannschaftskapitän. Marcelo Bordon bleibt nur sein ganz großes sportliches Ziel verwehrt: Zwischen 2004 und 2010 kommt der Brasilianer dreimal der Meisterschaft nahe, wird letztlich aber Vizemeister. Dass Schalke in dieser Zeit so gut wie immer das Team mit den wenigsten Gegentoren der Bundesliga ist, liegt nicht zuletzt am zweikampfstarken Bordon. 2011 verabschiedet er sich mit einem emotionalen Abschiedsspiel aus Schalke.

Rudi Assauer

(*30.04.1944)

Spieljahre als Manager: 1981-1986 und 1993-2006

UEFA-Cup-Sieger: 1997
Vize-Meister: 2001, 2005
Deutscher Pokalsieger: 2001, 2002

Fast zwei Jahrzehnte prägt Rudi Assauer als Manager die Geschicke des FC Schalke 04. Fällt die sportliche Bilanz seiner ersten Amtszeit durchwachsen aus, kehrt der Club unter seiner Führung ab 1993 in die Erfolgsspur zurück. Königsblau gewinnt 1997 den UEFA-Cup sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal und wird zweimal Vizemeister. Zudem hat Assauer großen Anteil an Planung und Entstehung der VELTINS-Arena. Anfang 2012 sorgt er für Schlagzeilen, als er seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich macht.

Gerald Asamoah

(*03.10.1978)

Spieljahre: 1999-2010

Vize-Meister: 2001, 2005, 2007, 2010
Deutscher Pokalsieger: 2001, 2002

Bei den Fans gehört der Stürmer dank seines freundlichen Wesens abseits des Rasens und seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz – vor allem in Revierderbys – zu den absoluten Publikumslieblingen. Statistiken belegen den großen sportlichen Wert, den Gerald Asamoah für Schalke 04 besitzt. Der gebürtige Ghanaer ist Schalkes Rekordnationalspieler in der deutschen Nationalelf (43 Spiele/6 Tore) und absolvierte zudem die meisten Europapokaleinsätze für den S04 (51 Spiele/5 Tore).

Raul

(*27.06.1977)

Spieljahre: 2010-2012

Deutscher Pokalsieger: 2011

Raul avanciert im Sommer 2010 mit seinem Wechsel von Real Madrid zum größten ausländischen Star, der bislang in der Bundesliga gespielt hat. Der Spanier verzückt ebenso mit fußballtechnischen Kunststücken, mit denen er unter anderem Tore des Monats und ein Tor des Jahres erzielt, wie er beim Kumpel- und Malocherclub mit Einsatzbereitschaft und Loyalität beeindruckt. Diese Mischung aus Genialität und Volksnähe macht ihn, der von den Königlichen zu Königsblau gewechselt ist und im Mai 2011 den DFB-Pokal gewinnt, zum Publikumsliebling.

Adolf Urban

(*09.01.1914, †27.05.1943)

Spieljahre: 1926-1943

Deutscher Meister: 1934, 1935, 1937, 1939, 1942
Deutscher Pokalsieger: 1937

Schon als Schüler spielt Adolf Urban für den S04 und steht 1934 beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft in Berlin in der Endspielelf. Dies ist bei vier weiteren Meistertiteln und einem Pokalgewinn in den folgenden acht Jahren ebenso. Der laufstarke und torgefährliche Publikumsliebling tritt zudem 21-mal in der Nationalmannschaft an, für die er elf Treffer erzielt. Am 27. Mai 1943 fällt Urban nach einem Granatwerferbeschuss im Zweiten Weltkrieg – mit 29 Jahren in der Blüte seines fußballerischen Lebens.

Norbert Elgert

(*13.01.1957)

Spieljahre: 1975-1976 und 1978-1982

Nachwuchstrainer seit: 1996 (in der Saison 2002/2003 Co-Trainer der Lizenzspielermannschaft)

Der DFB-Trainer des Jahres 2014 ist der Knappenschmied schlechthin, mehr noch: ein Diamantenveredler. Wer Norbert Elgerts Leistung für den S04 in Worte fasst, bedient sich meist anderer Namen: Julian Draxler, Max Meyer, Benedikt Höwedes, Mesut Özil, Manuel Neuer, Ralf Fährmann und viele, viele mehr. Sie alle gehen durch die Schule von Elgert, der mehrfach Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger mit der U19 wird. Über 50 seiner Spieler gelingt der Sprung in eine der höchsten europäischen Fußball-Ligen. Als Aktiver ist der gebürtige Gelsenkirchener insgesamt fünf Jahre für die Knappen am Ball.

Willi Koslowski

(*17.02.1937)

Spieljahre: 1955-1965

Deutscher Meister: 1958

In der Bundesliga gelingt Willi Koslowski Historisches: Er markiert den ersten Schalker Treffer in der neuen Spielklasse. Untrennbar ist sein Name aber mit der Deutschen Meisterschaft 1958 verbunden. „Der Schwatte“, wie sie ihn wegen seiner tiefschwarzen Haare einst tauften, hat großen Anteil am Titel: Auf dem Weg zur Meisterschaft in der Oberliga West fehlt er nur einmal, erzielt neun Tore. Beim 3:0 im Finale gegen den Hamburger SV bereitet er die ersten zwei Treffer vor.

Die königsblaue Hall of Fame

Die Jahreshauptversammlung 2008 beschloss die Einrichtung einer königsblauen Hall of Fame: In der "Ehrenkabine" finden nach und nach alle bedeutenden Schalker Spieler bzw. Trainer ihren Platz. Dazu gehören neben den Ehrenspielführern und den Mitgliedern der 1999 gewählten Jahrhundertelf sowie Vereinsgründer Willy Gies die beiden Spieler bzw. Trainer, die auf der Jahreshauptversammlung berufen werden.