Gazprom

1904-1923: Ein „wilder“ Anfang im Schatten der Zeche

Im Westen des Gelsenkirchener Stadtteils Schalke und im Schatten der Zeche Consolidation, genau zwischen Hauergasse, Herzog- und Gewerkenstraße, steht die Wiege des FC Schalke 04. Dort gründen etwa zehn Jungen um ihren Anführer Willi Gies den Sportverein Westfalia Schalke.

Sie sind Schüler und Schulentlassene, arbeiten zumeist bei der Herdfabrik Küppersbusch als Lehrlinge. Die Vereinsfarben der Königsblauen sind zunächst Rot und Gelb - ein niederländischer Verein, der in jener Zeit ein Gastspiel in Gelsenkirchen absolviert, steht angeblich Pate. Als Gründungsdatum des Vorgängervereins wird später der 4. Mai 1904 festgelegt.

Die meisten der Jugendlichen sind schon in Gelsenkirchen geboren, ihre Eltern aber sind Zuwanderer, angelockt von den Arbeitsplätzen im Bergbau. Das erste Spielfeld ist eine holprige Wiese am Haus Goor, einem heruntergekommenen Adelssitz in der Nähe. Gespielt wird "wild" gegen andere nicht in einem Verband organisierte Mannschaften der Nachbarschaft. Mehrere Versuche, Mitglied im Westdeutschen Spiel-Verband (WSV) zu werden, scheitern, weil der Verband kleineren, aus Arbeiterverhältnissen stammenden Klubs keine kontinuierliche Entwicklung zutraut.

1912 schließen sich die „wilden“ Kicker als Spielabteilung dem TV Schalke 1877 an. Sie nehmen nun am Spielbetrieb im WSV teil, nutzen einen von den Turnern hergerichteten Platz an der Grenzstraße. Ende 1914, also kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs, wird der Spielbetrieb eingestellt. 1915 erfolgt eine Neugründung der alten Westfalia, die sofort in den WSV aufgenommen wird und ihre Spiele auf dem Platz des TV 1877 bestreitet.

Im Sommer 1919, knapp ein Jahr nach Kriegsende, fusionieren Fußballer und Turner unter dem Namen Turn- und Sportclub Schalke 1877 erneut. Trotz der schwierigen und unruhigen Anfangsjahre der Weimarer Republik kann die Platzanlage mithilfe von Materialien der Zeche Consol ausgebaut und mit einer Umzäunung versehen werden - wichtig, um Eintrittsgelder nehmen zu können.

Spielerisch geht es bei den Mannen um den langjährigen Kapitän Thomas Student aufwärts. Dafür sorgen ab 1920 vor allen Dingen die in England aufgewachsenen Ballmann-Brüder Hans und Fred, die das später als "Schalker Kreisel" gerühmte Kurzpassspiel mit schnellen Positionswechseln in der Mannschaft bekannt machen.

1920 gelingt TuS 77 der Aufstieg in die zweite Liga des Ruhrgaus im WSV. 1922 verpasst der Klub knapp den Aufstieg in die Erstklassigkeit. Damit bleibt Schalke für die folgenden vier Jahre zweitklassig, denn der WSV hat eine große Ligenreform beschlossen, um „übertriebene Härten“ im Spielbetrieb zu unterbinden: zweijährige Spielzeiten (1922/1924 und 1924/1926) ohne Ab- und Aufstieg.