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1929-1933: Der erste Skandal, das erste Endspiel

In der Saison 1929/1930 wiederholen die Schalker den Vorjahreserfolg. Doch wiederum ist für den Westdeutschen Meister im Viertelfinale der deutschen Endrunde Schluss. Der „FC Gelsenkirchen-Schalke 04“ - als Dank für die Unterstützung beim Stadionbau wird die Stadt in den Vereinsnamen integriert - scheint den langjährigen Altmeister, den Duisburger SV, als regionalen Serienmeister ablösen zu wollen. Dann kommt der Skandal!

Am 25. August 1930 sperrt die Spruchkammer des Westdeutschen Spiel-Verbandes (WSV) 14 Schalker Spieler und acht Funktionäre, außerdem muss der Verein eine Geldstrafe zahlen. Urteilsbegründung: zu hohe Spesenzahlungen und anderen finanzielle Vergünstigungen an Spieler. Zwar gibt es auch Strafen gegen andere Vereine, aber offensichtlich soll Schalke als abschreckendes Beispiel dienen.

Seit Anfang der 1920er Jahre ist klar, dass die wachsende Popularität des Fußballspiels auch zu höheren Einnahmen führt. Dass gerade Spieler aus dem Arbeiter- und kleinbürgerlichen Milieu, zu dem die Schalker zählen, an diesen Einnahmen partizipieren wollen, scheint naheliegend, zumal sich seit 1930 die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, u. a. durchwachsende Arbeitslosigkeit, bemerkbar machen.

Doch die Mitgliedsverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB), an der Spitze der WSV, halten am überkommenen Amateurideal fest. Schalke bestreitet die Saison 1930/31 mit einer Reservemannschaft, die den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindern kann. Erst Ende Mai 1931 werden die letzten Sperren auf gehoben. Da ist es für einen Beteiligten längst zu spät: Der Schalker Finanzobmann Wilhelm Nier begeht am 28. August 1930 Selbstmord.

In der Saison 1931/1932 gelingt Schalke 04 der dritte westdeutsche Titelgewinn und der Einzug ins Halbfinale der deutschen Endrunde. Die Sperre ist gut bewältigt worden. Die folgende Saison wird noch in einer Demokratie begonnen, aber in der nationalsozialistischen Diktatur abgeschlossen. Der Saisonabschluss findet in Köln statt - erstmals ein rein westdeutsches Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Der Westdeutsche Meister, FC Schalke 04, verliert überraschend gegen den Westdeutschen Vizemeister, Fortuna Düsseldorf, mit 0:3.