Gazprom

1988-1994: „Sonnenkönig“ und Satzungsreform

Es sind schwierige Jahre. Präsident Siebert wird auf der Jahreshauptversammlung 1988 das Misstrauen ausgesprochen. Sogar im Fußballunterhaus rangiert das Team im Tabellenkeller. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird der Weg frei für Günter Eichberg, Klinikbesitzer aus Düsseldorf. Die Ära des „Sonnenkönigs“ beginnt. Mit Ach und Krach gelingt 1989 der Klassenerhalt in der Zweiten Liga. Erst 1991 steigt Schalke wieder auf. 70.000 Zuschauer feiern am letzten Spieltag gegen Darmstadt 98 im Parkstadion den endgültigen Abschied von der Zweitklassigkeit.

Mit großen Namen will der Club in der Bundesliga bestehen. Günter Netzer gibt den beratenden Manager, das Experiment scheitert. 1992 übernimmt Meistermacher Udo Lattek für ein halbes Jahr den Trainerposten. Sportlich geht es trotz teurer Transfers nicht entscheidend vorwärts, dafür kommen Geldsorgen auf. Mit bis zu 20 Millionen Mark steht Schalke in der Kreide, Präsident Eichberg soll ein gigantischer privater Schuldenberg drücken. In der Krise kehrt Assauer als Manager zurück, aus Kaiserslautern stößt Peter Peters als Geschäftsführer hinzu. Eichberg tritt im Herbst 1993 zurück.

Wieder schlägt die Stunde der Versammlungen. Im Februar 1994 wird Bernd Tönnies Präsident. Als er nach einer Nierentransplantation nur wenige Monate später stirbt, genügt Helmut Kremers eine launige Bemerkung über den Erzrivalen Borussia Dortmund („Für die haben wir uns damals noch nicht einmal umgezogen“), um von der Mitgliederversammlung zu dessen Nachfolger gewählt zu werden. Es wird eine kurze Amtszeit für den Ex-Spieler und Ex-Manager, weil Banken drohen, dem verschuldeten Verein die Unterstützung zu entziehen.

Ein letztes Mal hat Schalke damit als „Skandalnudel der Liga“ von sich reden gemacht. Die Gremien erarbeiten in einer Satzungskommission ein neues Modell der Vereinsstruktur, das die Mitglieder überzeugt. Wie bei einem Unternehmen wählen die Mitglieder nicht mehr den Vorstand, sondern den Aufsichtsrat, der seinerseits die Vereinsführung bestellt. Hitzige Mitgliederversammlungen und spontane Umstürze gehören seither der Vergangenheit an. Schalke wird mit der am 12. Dezember 1994 beschlossenen Satzung zum Vorreiter in der Liga. An der Spitze des Vereins steht Gerhard Rehberg: Der Gelsenkirchener Bürgermeister und ehemalige Bergmann wird für zwölfeinhalb Jahre Vorsitzender und kann somit auf die längste Amtszeit nach dem legendären „Papa“ Unkel zurückblicken.