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  • 1923-1929: An die regionale Spitze

    Im ersten vereinseigenen Stadion, der Glückauf-Kampfbahn, spielen sich die Knappen auf regionaler Ebene erstmals an die Tabellenspitze.

  • Westfalia Schalke, TuS Schalke 1877, Sportverein Westfalia Schalke: In der Anfangszeit kicken die Schalker unter verschiedenen Namen. Als sich die Jungs aus der Nachbarschaft der Zeche Consol zusammentun, nennen sie sich Westfalia Schalke. Im Jahr 1912 schließen sie sich dem Turn- und Sportverein Schalke 1877 an, um am Ligabetrieb teilnehmen zu können.

    Nachdem die Fußballabteilung des TuS Schalke 1877 im Ersten Weltkrieg den Spielbetrieb einstellt, kommt es 1915 unter dem Vorsitz von Robert Schuermann zur Neugründung von Westfalia Schalke. Dieser Verein wiederum schließt sich 1919 erneut dem TuS Schalke 1877 an. 1924 versammeln sich die Fußballer: Sie beschließen, sich endgültig vom TuS zu trennen und fortan selbstständig zu agieren. Es schlägt die zweite Geburtsstunde: Der FC Schalke 04 wird ins Leben gerufen.

  • Ein eigenes Stadion: Als die Jungs von Westfalia Schalke im Jahr 1904 auf der holprigen Wiese hinter Haus Goor kicken, lassen sie sich wohl noch nicht träumen, dass etwa 20 Jahre später ihr Verein ein eigenes Stadion errichten wird. Die Entscheidung zum Bau fällt am 19. Juni 1927. Die Vereinsvorsitzenden Fritz Unkel und Oskar Köttgen können die Mitglieder überzeugen, dass aufgrund des Aufstiegs in die Ruhrgauliga der Platz an der Grenzstraße nicht mehr ausreicht.

    Außerdem bricht Schalke reihenweise Zuschauerrekorde: gegen Köln kommen 22.000, gegen Bielefeld 24.000, gegen den Duisburger Sportverein sogar 42.000 Zuschauer. Die Tiefbaufirma August Jäger beginnt am 1. August 1927 mit den Bauarbeiten. Am 8. August erfolgt die offizielle Grundsteinlegung. Als Name setzt sich der Bergmannsgruß durch, der die enge Verbundenheit des S04 zum Bergbau dokumentiert: Die Glückauf-Kampfbahn entsteht.

  • Ein wirtschaftlich kühnes Unterfangen: Die Baukosten der Glückauf-Kampfbahn belaufen sich auf mehr als 200.000 Reichsmark. Geld, das der S04 nur durch Kredite und Stundungsvereinbarungen sowie Bürgschaften und Darlehen der Stadt Gelsenkirchen zusammenbekommt. Als Dank nennt sich der Verein seither FC Gelsenkirchen-Schalke 04.

    Außerdem bedient sich die Vereinsführung einer Finanzierungsidee, die 70 Jahre später beim Bau der Arena noch einmal aufgegriffen wird: Sie verkauft Bausteine zu einer Mark. Das Geld soll ursprünglich als Darlehen genutzt werden. Anders als heute sehen die Anleger das Geld jedoch nie wieder, denn jeder Pfennig wird gebraucht.

  • Nach einjähriger Bauzeit öffnet die Glückauf-Kampfbahn am 25. August 1928 ihre Tore. Zur Einweihung veranstaltet der FC Schalke 04 eine Festwoche. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Weihefest am 2. September. Unter den Klängen der Bergmannskapelle der Zeche Consolidation und der Gesangsvereine „Einigkeit“ und „Schalker Sängerbund“ schwenkt Fritz „Papa“ Unkel die Vereinsfahne.

    Dazu wird sogar das Fußballspiel des Tages, das Schalke gegen Tennis Borussia Berlin bestreitet, für fünf Minuten unterbrochen. Anschließend wirft ein Reklameflugzeug einen Fußball, einen Blumenstrauß und mehrere tausend Pfefferminz-Bonbons ab. Außerdem machen sich 4000 Brieftauben in alle Himmelsrichtungen auf den Weg. Ein gelungener Startschuss für die kommenden Spielzeiten des FC Schalke 04.

  • Es ist die imposante Kulisse der Zeche Consolidation, vor der die Schalker fortan ihre Partien in der Glückauf-Kampfbahn austragen. Das erste Fußballspiel bestreitet die Mannschaft im Rahmen der Festwoche zur Stadioneröffnung gegen den SV Köln-Sülz 07.

    Die Schalker erkämpfen ein 3:3 – übrigens in weißten Trikots, die erstmals ein Vereinslogo schmückt. 20.000 Zuschauer sehen ein engagiertes Fußballspiel und helfen mit den Eintrittsgeldern bei der weiteren Finanzierung des Stadions.

  • Als Fritz „Papa“ Unkel am 2. September 1928 feierlich mit der Schalke-Fahne zur Eröffnung in die Glückauf-Kampfbahn einmarschiert, kann er stolz auf sich sein. Ohne ihn wäre das erste Schalker Stadion wohl nicht entstanden. Er überzeugt die Mitglieder, dass der S04 eine eigene Spielstätte benötigt, und Unkels Kontakte zur Zeche Consolidation tragen entscheidend dazu bei, dass das Bauprojekt umgesetzt wird.

    Die Zeche unterstützt die Schalker, indem sie den Baugrund für das Stadion zur Verfügung stellt. Auch die Baupläne entwirft die Zeche in Person Ihres Bauzeichners Fritz Lader. Unkel selbst arbeitet auf Consol als Materialverwalter und beschafft während der Bauphase immer wieder Materialien. Es ist sein Stadion – kein Wunder, dass lange Zeit der Name „Fritz-Unkel-Kampfbahn“ Favorit ist.

  • Der Bau der Glückauf-Kampfbahn scheint die Knappen zu beflügeln. Ab der Saison 1926/1927 spielt Schalke in der Ersten Liga. Die Mannschaft wird Ruhrbezirksmeister und qualifiziert sich damit erstmals für die Westdeutsche Meisterschaft. Am Ende reicht es jedoch nicht ganz: Sie landet auf Tabellenplatz zwei hinter dem Duisburger SV. Der gleiche Erfolg gelingt in der kommenden Spielzeit.

    Am 25. März 1928 tritt die Mannschaft im Kampf um die „Westdeutsche“ gegen Borussia Rheine an. Neben vier weiteren Knappen erzielt auch der junge Ernst Kuzorra (Bildmitte, graues Trikot) in diesem Spiel ein Tor. Nach zwölf Jahren löst Kuzorra zur neuen Saison Thomas Student als Mannschaftskapitän ab.

  • In der Spielzeit1927/1928 erreicht der FC Schalke 04 zum zweiten Mal hintereinander das Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Ein großer Schritt für den Fußballverein aus dem Westen, der noch vor zwei Jahren zweitklassig spielte und sich nun immer weiter hocharbeitet.

    Das Auswärtsspiel beim Hamburger Sportverein geht zwar mit 2:4 verloren – erneut heißt es also Endstation für den S04 im Kampf um die Deutsche Fußballmeisterschaft. Die Schalker genießen dennoch den Ausflug an die Alster. Die Mannschaft unternimmt eine Hafenrundfahrt und tankt neue Kraft für die kommende Saison, in der der Aufstieg zu einem der erfolgreichsten deutschen Clubs voranschreitet.

  • In der Saison 1928/1929 setzt sich die Entwicklung des FC Schalke 04 fort. Zunächst schaffen die Knappen den Sprung an die Tabellenspitze in der Ruhrbezirksklasse. Germania Bochum folgt mit immerhin sechs Punkten Abstand auf Platz zwei, gefolgt von der STV Horst auf Platz drei. Als Tabellenführer nimmt der S04 an der Ruhrbezirksmeisterschaft teil.

    Das Finalhinspiel gegen Schwarz-Weiß Essen in der Glückauf-Kampfbahn endet torlos. Beim Rückspiel in der Nachbarstadt ist zunächst alles offen. Doch der Schalker Kampfgeist siegt. Ernst Kuzorra trifft am 31. März 1929 per Kopfball zum 2:1-Endstand für Schalke 04. Der frischgebackene Ruhrbezirksmeister tritt nun also im Kampf um die Westdeutsche Meisterschaft an und macht sich auf zu seinem ersten großen Erfolg der Vereinsgeschichte.

  • Die Begeisterung unter den Anhängern ist groß: Schalke spielt wie in der vergangenen Saison um die Westdeutsche Meisterschaft. Doch dieses Jahr riecht es nach Sieg. Bereits in den Vorrundenspielen dominiert Königsblau: 5:4 gegen die Spielvereinigung Herten, 3:2 gegen die Meidericher Spielvereinigung, 7:1 gegen Hüsten 09. Schalke und Meiderich erreichen die Endrunde. Der S04 muss nun gegen Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach und erneut gegen Meiderich antreten.

    Für die Fans ist kein Weg zu weit. Sie folgen den Knappen nach Duisburg, wo das Spiel gegen Fortuna ausgetragen wird, nach Oberhausen und Wattenscheid. Ihr Durchhaltevermögen wird belohnt. Die Westdeutsche Meisterschaft ist für Schalke zum Greifen nah. Der S04 und Meiderich schneiden punktgleich ab. Es kommt zum alles entscheidenden Spiel zwischen den Königsblauen und der MSV.

  • Der erste große Titel der Vereinsgeschichte: Am 23. Juni 1929 wird der FC Schalke 04 Westdeutscher Meister. Das Entscheidungsspiel wird am Essener Uhlenkrug ausgetragen. In der 20. Minute führen die Meidericher einen Eckball aus. Der Schalker August Sobotka bekommt das Leder vor die Füße und versenkt es – im eigenen Kasten. Nur zwei Minuten später erzielt Emil Rothardt jedoch den Ausgleich. Fritz Szepan sichert in der zweiten Halbzeit schließlich den Schalker Sieg: Nach einer Ecke köpft der Knappe den Ball ins Tor. Nach dem Abpfiff tragen die Fans ihre Helden im Triumphzug vom Platz.

    In Gelsenkirchen geht der Trubel weiter. In der Vereinsgaststätte Thiemeyer wird die folgende Nacht zum Tag gemacht. Die Bergwerkskapelle von Consol spielt und der Briefträger legt eine Sonderschicht ein: Dutzende Glückwunschtelegramme gehen beim Westdeutschen Meister ein.

  • Es ist ein Österreicher, der Schalke zum ersten großen Titel der Vereinsgeschichte, der Westdeutschen Meisterschaft, führt: Gustav Wieser aus Wien (links im Bild). Der begnadete Fußballer wurde während seiner aktiven Laufbahn mit Rapid und Austria Wien mehrmals Meister und Pokalsieger. Als er mit 29 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel hängt, übernimmt er bei Eintracht Frankfurt das Traineramt. Ein Jahr später, 1928, unterschreibt er auf Schalke.

    Wieser gilt als exzentrischer Starfußballer, dem die Schönheit des Spiels wichtiger als das Ergebnis ist. Der Erfolgbeweist jedoch, dass er seinen Job beherrscht. Trotz des Titels verlässt Wieser bereits im August 1929 Gelsenkirchen. Die Gründe dafür sind schwer zu recherchieren. Wahrscheinlich gibt es Unstimmigkeiten mit der Vereinsspitze. Nachfolger wird Diplom-Sportlehrer Kurt Otto.

  • Schalke kann sich sehen lassen: sportlich auf Erfolgskurs und mit neuem Stadion, das zu den größten vereinseigenen Sportanlagen Europas zählt. Was liegt da näher, als hochkarätige internationale Gäste einzuladen, um sein Können zu demonstrieren und seinen ganzen Stolz zu präsentieren?!

    Im April 1929 reist die Mannschaft von Rampla Juniors aus Uruguay nach Gelsenkirchen und bestreitet gegen die Königsblauen in der Glückauf-Kampfbahn ein Freundschaftsspiel. Die Gäste aus Südamerika gewinnen haushoch mit 5:1 und verweisen den Gastgeber in seine Schranken. Einige Wochen später lädt der S04 den damals fünfmaligen ägyptischen Meister ein, den Internationalen Sporting Club Kairo. Die Begegnung endet für Schalke erfolgreich mit einem 3:3.

  • Das Herzstück des Gelsenkirchener Stadtteils Schalke: der Schalker Markt. Im Sommer 1928 findet auch der S04 hier seine Heimat, in Haus Nummer 10, der Restauration von Heinrich Thiemeyer. Der sportliche Erfolg des Vereins lässt die Mitgliederzahlen stetig steigen, circa 60 Mitglieder sind es zu Kriegsbeginn, 1930 zählt man bereits 802.

    Die bisherigen Gaststätten bieten für die Anhängerschaft einfach zu wenig Platz. Thiemeyer verfügt nicht nur über einen großzügigen Schankraum, in den zweiten Stock zieht zudem die Schalker Geschäftsstelle ein. Rechts und links neben Thiemeyer befinden sich viele Geschäfte. Am Schalker Markt pulsiert das Leben, auch das königsblaue.