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  • 1963-1972: Start in der Bundesliga

    Als einer von 16 Vereinen startet der FC Schalke 04 in der Saison 1963/1964 in die neu gegründete Bundesliga. Das erste Tor für die Knappen in der neuen Spielklasse erzielt Willi Koslowski.

  • Das Spiel ist das gleiche geblieben. Aber die Liga eine andere. Mit der einheitlichen Bundesliga startet der deutsche Fußball in seine Zukunft. Zahlreiche Vereine wollen mitspielen in der obersten Etage. Schalke erhält am 11. Januar 1963 als einer der ersten neun Clubs die Lizenz. Am 24. August ist es dann soweit. Die Bundesliga wird Realität auf dem Rasen. Schalke trifft auf den VfB Stuttgart.

    Teams, die nicht aus dem Westen kommen, sind noch durchaus fremd. Gewinnen geht aber immer noch. Wird in dieser Szene noch S04-Schlussmann Horst Mühlmann geprüft, so ist vor allem der VfB unter Druck. 2:0 heißt es am Ende für Königsblau. Willi Koslowski ist der erste Schalker Bundesliga-Torschütze. Und der erste Tabellenführer der neuen Liga heißt? Genau, Schalke!

  • Es ist nicht die Saison des FC Schalke 04. Die Bundesliga gibt es gerade mal seit einer Saison und 1964 schlittert der Club in die Krise. Erst am 8. Spieltag am 17. Oktober können die Königsblauen (hier ganz in weiß) jubeln: Mit einem 3:0 gegen Hertha BSC sichern sie sich den ersten Saisonsieg.

    Und die Hertha bringt sie am Ende sozusagen nochmal zum Jubeln. Denn am Saisonende ist Schalke als Sechzehnter Tabellenletzter. Den Abstieg verhindert nur die Aufstockung der Liga auf 18 Mannschaften – und der Lizenzentzug für die Hauptstädter.

  • 1966 ist die Zeit des legendären Schalkers Kreisels, der auf den Plätzen Deutschlands Geschichte geschrieben hatte, schon einige Jahre vorüber. Doch Mitte der 1960er-Jahre nimmt der Verein diesen Begriff wieder auf: „Der Kreisel“ erscheint nun als eine „Zeitschrift für die Freunde des F.C. Schalke 04“. Zuvor lasen diese Freunde die „Vereinsnachrichten“.

    Zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins erschien bereits eine einmalige Publikation gleichen Namens. 1970 wurde der „Der Kreisel“ dann mit dem Spieltagsprogramm zusammengelegt und zum „Schalker Kreisel“ – ein Name, den die offizielle Vereinszeitschrift bis heute trägt.

  • Jürgen Wittkamp im Zweikampf vor dem Tor der Shamrock Rovers. Hier scheitert der Schalker noch, insgesamt gelingen den Knappen im Rückspiel am 1. Oktober 1969 bei Flutlicht in der Glückauf-Kampfbahn aber einige Treffer. 3:0 heißt es am Ende. Damit ist die 2:1-Niederlage aus dem Hinspiel wettgemacht.

    Es ist die erste Runde im Europapokal der Pokalsieger. Der S04 ist trotz der Finalniederlage im DFB-Pokal gegen Bayern München dabei, weil die Süddeutschen das Double holten. Der Sieg gegen die Rovers ist der Auftakt zu einem langen internationalen Ausflug – bis ins Halbfinale. Dort siegen die Königsblauen zwar zuhause mit 1:0 gegen Manchester City. Im Rückspiel aber setzt es eine 1:5-Niederlage an der Maine Road.

  • Klaus Fichtels langes Bein kommt zu spät und auch Torwart Norbert Nigbur ist machtlos. Am 14. Juni 1969 bekommt Schalkes Abwehr Gerd Müller einfach nicht in den Griff. Nachdem der Stürmer von Bayern München in der zwölften Minute des DFB-Pokalfinals das 1:0 erzielte und Schalkes Manfred Pohlschmidt zwischenzeitlich ausgeglichen hat, trifft Müller zum entscheidenden 2:1.

    Die Bayern holen das zweite Double der deutschen Fußballgeschichte. Das erste sicherte sich 1937 übrigens der S04. 1969 ist für die Schalker die Endspielteilnahme immerhin die Eintrittskarte für den Europapokal der Pokalsieger. Und dort wird es bis ins Halbfinale gehen.

  • Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger. Seitenwahl und Wimpelübergabe an der Maine Road in Manchester. Schalkes Kapitän Reinhard „Stan“ Libuda wirkt noch optimistisch, schließlich hat seine Mannschaft das Hinspiel gegen Manchester City mit 1:0 gewonnen. Er selbst sorgte mit seinem Tor für den Heimerfolg.

    Auf der Insel allerdings gibt's für die Königsblauen nichts zu holen. Mit 1:5 verliert Schalke. Wieder trifft Libuda – allerdings erst in der 89. Minute und damit deutlich zu spät. Immerhin: Die Knappen scheiden gegen den späteren Sieger dieses Wettbewerbs aus.

  • Manchester City in Gelsenkirchen noch verloren hatte, will der englische Club nun das Rückspiel für sich entscheiden. „Kommt, kommt, kommt, ihr Zuschauer“, fordert ManCity-Manager in einer Tageszeitung, „wir brauchen euch.“ 50.000 folgen diesem Aufruf und treiben ihr Team an der Maine Road zum 5:1-Sieg über die Königsblauen. Die Fans machen dabei derart viel Stimmung, dass eine deutsche Zeitung auch in Anbetracht des Ergebnisses die „Hölle von Manchester“ ausruft.

    Das feiern die Anhänger dann auch auf dem Rasen. Apropos: Dieser ist ziemlich matschig. Die Gastgeber erhofften sich vom feuchten Untergrund Vorteile und hatten ihn vorher gewässert. Und am Spieltag kam auch noch Regen dazu …

  • Der Löwe gilt ja bis heute als metaphorische Bezugsgröße für erbitterte Kämpfer auf dem Fußballplatz. Am 31. Januar 1970, vor dem Derby gegen Borussia Dortmund, streifen allerdings echte Löwen über den Rasen der Glückauf-Kampfbahn.

    Es ist die augenzwinkernde Retourkutsche für das Hinspiel: Dort hatten Schäferhunde der BVB-Ordner die S04-Spieler Friedel Rausch und Gerd Neuser gebissen, als sie eigentlich jubelnde Schalker Fans in Schach halten sollten. Die Löwen in Gelsenkirchen sind da schon zahmer und außerdem angeleint. Beide Spiele enden übrigens 1:1.

  • Der 28. Juni 1972 soll die Entscheidung bringen. Schalke hat eine riesen Saison gespielt. 52 Punkte – in jedem Jahr seit Gründung der Bundesliga hätte diese Ausbeute zum Titel gereicht. Besonders vor eigenem Publikum sind die Königsblauen extrem stark. Nur ein einziges Mal holen sie nicht die damals noch zwei Siegpunkte in der Glückauf-Kampfbahn: beim Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach.

    Am letzten Spieltag treffen sie nun auf eine Bayern-Elf, die nur einen Zähler vor den Knappen liegt. Außerdem weihen die Münchner das Olympiastadion vor 80.000 Zuschauern ein. Und diese Feier wollen sie sich nicht vermiesen lassen. 1:5 verliert Schalke im Süden. Aber das Pokalfinale 1972 gibts ja auch noch …

  • Die Fans eilen auf den Platz. Zum Jubeln – denn das, was sie gerade erlebt haben, ist Stoff für eines dieser Spiele, die man nie vergisst. Der 1.FC Köln ist an diesem 10. Juni 1972 im DFB-Pokalhalbfinale zu Gast in der Glückauf-Kampfbahn. Eigentlich müssen die Rheinländer ihren 4:1-Hinspielsieg nur noch verwalten. Doch 21 (!) Elfmeter später zieht Schalke ins Finale ein.

    Vier dieser Strafstöße fallen in der regulären Spielzeit, wobei der letzte den S04 mit einem 5:2 in die Verlängerung bringt. Dort kann Köln – natürlich per Elfmeter – für die Entscheidung sorgen. Doch Norbert Nigbur pariert. So muss, wie kann es anders sein an diesem Tag, das Elfmeterschießen den Sieger küren. Und nachdem Kölns Bernd Cullmann nur den Pfosten trifft, steht Schalke im Finale.

  • 1. Juli 1972. Der FC Schalke reist nach Hannover zum DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der Halbfinalsieg samt seiner sensationellen 21 Elfmeter verleiht natürlich Selbstvertrauen. Doch vor zwei Wochen gingen die Knappen auch mit 1:5 in München unter und verspielten so die Meisterschaft. Immerhin findet dieses Endspiel im Niedersachsenstadion statt, dort, wo der S04 sich 1958 die Schale sicherte.

    Und tatsächlich bleibt Hannover ein gutes Pflaster. Von der Pleite bei den Bayern ist nichts mehr zu spüren. Klaus Scheer ist in dieser Szene nicht zu stoppen und köpft zum 2:0 ein. Aber auch über die 90 Minuten sind die Pfälzer chancenlos. 5:0 heißt es am Ende und die Königsblauen holen mit einer der stärksten Mannschaften ihrer Geschichte den Pott.

  • Der Kapitän reckt den Pokal in den Hannoveraner Himmel. Gerade eben haben Stan Libuda und der S04 den 1.FC Kaiserslautern mit 5:0 vom Platz gefegt; es ist zusammen mit dem Schalker 5:0 gegen den MSV Duisburg 2011 der höchste Endspielerfolg im Pokalwettbewerb. Jetzt gibt es endlich wieder Edelmetall für den Trophäenschrank. Dreimal haben es die Königsblauen bis dato nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Pokalfinale geschafft.

    Aber erst der dritte Anlauf 1972 gegen die Roten Teufel bringt den Triumph. Es ist der erste Titel seit der Meisterschaft 1958 – und es bleibt der vorerst letzte. Bis 1997, bis eine andere große Schalker Mannschaft, die sogenannten Eurofighter, den UEFA-Cup nach Gelsenkirchen holen.

  • Zu Hause ist es am Schönsten. Vor allem als Sieger. Jürgen Sobieray, Helmut Kremers, Mannschaftsbetreuer Lichterfeld und Rolf Rüssmann (von rechts) präsentieren den Fans den DFB-Pokal. Gelsenkirchen ist im Sommer 1972 blau und weiß. Denn dieser Sieg krönt eine große Schalker Spielzeit 1971/1972 samt Vizemeisterschaft und eben dem Pokalsieg.

    Und er ist das Vermächtnis einer ebensolchen Mannschaft: Namen wie Norbert Nigbur, Rüssmann, Sobieray, Kremers, Klaus Fichtel, Klaus Scheer, Stan Libuda oder Klaus Fischer klingen heute noch nach. Damals sind die Schalker die Popstars des Fußballs. Doch ihr großer Auftritt dauert nur ein Jahr lang. Dann verdunkelt der Bundesliga-Skandal den strahlend-königsblauen Himmel.

  • Am 28. August 1969 beginnen die Bauarbeiten für ein neues Stadion, das die Glückauf-Kampfbahn ablösen soll. Vor dem Modell der neuen Heimspielstätte schaut der eine oder andere etwas skeptisch drein. Tatsächlich ist die Idee nicht unumstritten.

    „Ich persönlich habe immer viel lieber in der Glückauf-Kampfbahn gespielt, weil da eine viel bessere Stimmung war“, sagt kein Geringerer als Klaus Fichtel. Selbst Ernst Kuzorra ist sich sicher: „Damit ist der Fußball in Schalke tot.“ 56 Millionen D-Mark später steht das Parkstadion, dessen Namen Hubert Rosiejak in einem öffentlichen Wettbewerb vorgeschlagen hatte. Und der Schalker Fußball, er wird auch im neuen Stadion weiterleben.

  • Das Parkstadion im Bau. Betonpfeiler für die Tribüne werden installiert. Seit 1969 laufen die Bauarbeiten und von einigen Ideen musste sich die Macher um Architekt Horst Klement bereits verabschieden. Ein 130.000 Zuschauer fassendes „Ruhrstadion“ verworfen. Eine reine Fußballarena? Nordrhein-Westfalen braucht im Ruhrgebiet Kapazitäten für sportliche Veranstaltungen, also muss eine Tartanbahn her.

    Ein Zeltdach? Da warnen die immensen Baukosten des Olympiastadions in München. Am Ende steht ein WM-reifes Stadion mit einem Fassungsvermögen für über 70.000 Zuschauer, in dem die Königsblauen Höhen und Tiefen erleben werden und das auch deswegen den Fans ans Herz wächst.

  • Einen Kurzen auf das Neue. Beim Richtfest des neuen Parkstadions am 15. September 1972 gönnen sich Helmut (links) und Erwin Kremers im Jogginganzug ein Schnäpschen. Gespielt wird an dieser Stelle rund ein Jahr später. 55.000 Zuschauer kommen zum Spiel gegen Feyenoord Rotterdam im August 1973.

    „In zwei Jahren sind wir schuldenfrei“, freut sich Club-Präsident Günter Siebert im Angesicht der Fan-Massen. Tatsächlich begrüßt Schalke im ersten Parkstadion-Jahr die meisten Besucher der Bundesliga, 39.611 im Schnitt – und das, obwohl die Eintrittspreise leicht erhöht wurden. Auf Platz zwei rangiert Bayern München mit ihrem ebenfalls noch neuen Olympiastadion. 1974 zeigte der Nachfolger der Glückauf-Kampfbahn auch seine internationalen Qualitäten und wird WM-Stadion.

  • Sie müssen draußen bleiben. Klaus Fischer (Dritter von links), Jürgen Sobieray (vierter), Herbert Lütkebohmert (sechster) und Klaus Fichtel (siebter) können das Spiel ihrer Knappen am 31. März 1973 gegen Hertha BSC nur von der Bank aus begutachten. Wegen des Bundesliga-Skandals sind sie gesperrt.

    Am 17. April 1971 haben die Schalker Geld für eine 0:1-Niederlage gegen Arminia Bielefeld kassiert. Der DFB reagiert in aller Härte und sperrt zahlreiche Stützen der Mannschaft. Später werden die Strafen gemildert. Doch eine Mannschaft, die nach der Sensationssaison 1971/1972 Großes hätte erreichen können, hat sich selbst zerstört.