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  • 1981-1988: Zweite Liga

    Es herrschen unruhige Zeiten auf Schalke: Innerhalb von acht Jahren steigen die Blau-Weißen dreimal in die Zweite Liga ab.

  • Am 15. Mai 1981 beginnt die Ära Rudi Assauer auf Schalke. Als Manager war er zuvor schon bei Werder Bremen tätig. Jetzt holt ihn S04-Präsident Hans Joachim Fenne nach Gelsenkirchen. Seine erste Amtszeit dauert jedoch nur bis 1986 an. Der Mann mit der Zigarre wird, nachdem er sogar drei Spiele lang Trainer war, entlassen, kehrt aber 1993 zurück zu den Knappen.

    Mit Erfolg: Die VELTINS-Arena wird gebaut, Schalke holt zweimal den DFB-Pokal (2001, 2002) und gewinnt 1997 den UEFA-Cup. 2006 ist dann Schluss für den Manager, der zu einer der prägenden Figuren in der Neuzeit des Clubs wird. Er tritt am 17. Mai zurück. Übrigens: Assauer, der 1966 als Spieler mit Borussia Dortmund den Europokal der Pokalsieger gewann, ist seit über 40 Jahren Mitglied bei den Schwarz-Gelben. Eine Schalker Ikone bleibt er trotzdem.

  • Keine Schale, aber immerhin der Wimpel für den Zweitligameister. Norbert Janzon (mit Wimpel) und Norbert Nigbur (rechts) präsentieren diese Auszeichnung – wohl eher erleichtert als euphorisch. Nach dem ersten Abstieg der Bundesligageschichte schaffen die Königsblauen in der Saison 1981/1982 den direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus.

    In der Zweitklassigkeit ist der große Club aus Gelsenkirchen für viele Gegner die Attraktion und der Gejagte zugleich. Auch ins Parkstadion kommen in der Zweitklassigkeit immer noch bis zu 70.000 Zuschauer. Die Freude über die Rückkehr in die Bundesliga soll aber nicht allzu lange währen: Zwei weitere Abstiege folgen in den 1980er-Jahren. Der erste nur zwölf Monate später.

  • Da ist wohl auch Ernst Kuzorra (im schwarzen Anzug) erleichtert. Am 29. Mai 1982, dem letzten Spieltag der Saison 1981/1982 spielt Königsblau 3:3 gegen die SpVgg Fürth. Für den Aufstieg reicht es trotzdem: Schalke um Trainer Siegfried Held wird mit 51 Punkten Tabellenerster und verweist Hertha BSC sowie die Kickers aus Offenbach auf die Plätze.

    Zur Feier des Tages schaut mit Kuzorra eine Legende aus besseren Zeiten vorbei und gratuliert (hier Uli Bittcher). Gotthilf Fischer dirigiert vor dem Anpfiff den Schalke-Chor. Die königsblaue Welt ist wieder in Ordnung. Zumindest für ein Jahr.

  • Bei diesem Spiel ist Fußball nebensächlich. Fünf Menschen sterben beim Grubenunglück auf der Gelsenkirchener Zeche Consolidation, gemeinhin Consol genannt. Zum Benefizspiel am 28. April 1984 erscheinen auch zwei Schalker Legenden verschiedener Generationen: Ernst Kuzorra und Olaf Thon.

  • Sie tragen Olaf Thon auf den Schultern. Eine Szene des Triumphs. Das 6:6 auf der Anzeigetafel strahlt über allem. 6:6? Ganz genau! 2. Mai 1984, DFB-Pokalhalbfinale im Parkstadion. Bayern München ist zu Gast beim Gelsenkirchener Zweitligisten. Und das Spiel entwickelt sich zu einer der großen Partien in der deutschen Fußballgeschichte. Es geht hin und her.

     Ein wahrer Krimi, der seinen Höhepunkt in der dritten Minute der Nachspielzeit findet: Olaf Thon, vor einem Tag erst 18 Jahre alt geworden und   zuvor bereits zweimal als Torschütze erfolgreich an diesem Abend, trifft zum 6:6-Ausgleich. „Ein Scheiß-Ergebnis“, ärgert sich Manager Rudi Assauer. Tatsächlich scheidet der S04 im Wiederholungsspiel mit 2:3 aus. Doch das interessiert an diesem denkwürdigen Abend noch niemanden.

  • Klaus Fichtel, den sie auf Schalke „Tanne“ nennen, kehrt zur Saison 1984/1985 nach Gelsenkirchen zurück. Fichtel ist ein echter Malocher, arbeitet viereinhalb Jahre unter Tage, ehe er auf dem Platz ackert. Mit dem S04 kämpft er um den Klassenerhalt und feiert den DFB-Pokalsieg 1972. Insgesamt absolviert er 549 Pflichtspiele für die Blau-Weißen – soweit messbar, schaffte kein anderer Schalker mehr Partien.

    1984 soll er nun als Co-Trainer ran. Nachdem aber Libero Bernard Dietz ausfällt, zieht sich der inzwischen 40-jährige Fichtel ein Trikot über. Beim Spiel gegen Waldhof Mannheim am 10. Mai 1985 löst er mit seinem 521. Bundesligaspiel Willi Neuberger als Rekordhalter ab. Die Fans adeln ihn mit einem Plakat. „Der Wald stirbt - Die Tanne steht“.

  • „Danke Tanne!“ Es soll der gebührende Abschied für Klaus Fichtel werden. 477 Bundesliga-Partien für Schalke hat der Defensivmann in den Knochen. Zwischenzeitlich läuft er auch für Werder Bremen auf. Am 26. August 1986 kommen mit Uwe Seeler und Johan Cruyff prominente Gäste zum Abschiedsspiel für den unverwüstlichen Verteidiger ins Parkstadion.

    Doch nachdem er bereits zwei Jahre zuvor vom Co-Trainer zum Feldspieler wurde, kommt auch diesmal der Rücktritt vom Rücktritt: 1988 soll er den Club vor dem Abstieg bewahren. Das klappt nicht. Fichtel ist danach aber mit 43 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen der älteste Spieler, der bis heute ein Bundesligaspiel bestritt.

  • Ein 6:1-Sieg gegen Borussia Dortmund liest sich aus Schalker Sicht wie ein optimales Derby-Ergebnis. Am 10. Dezember 1985 stehen diese Ziffern tatsächlich auf der Anzeigetafel im Gelsenkirchener Parkstadion. Für den S04 ist es ist in diesem brisanten Ruhrgebietsduell der höchste Erfolg in der Bundesligageschichte.

    Nur in der Gauliga-Saison 1940/1941 trafen die Knappen noch öfter: 10:0 hieß es damals. Aber da waren beide Teams auch noch keine Erzrivalen. Im kalten Dezember 1985 erzielt übrigens ein gewisser Ingo Anderbrügge den Ehrentreffer für die Borussia. Drei Jahre später wird er dann wieder im Parkstadion antreten. Allerdings regelmäßig und in Königsblau.

  • Der Papst auf Schalke: Am 2. Mai 1987 besucht Johannes Paul II. das Parkstadion. 100.000 Menschen kommen, um den Heiligen Vater zu sehen und an der Messe im Fußballstadion teilzunehmen.

    Und der Papst scheint dem Club nicht abgeneigt zu sein – Schalke bietet ihm die Ehrenmitgliedschaft an und Johannes Paul II. sagt ja. An den Fußballgott glaubt Schalkes Manager Rudi Assauer seit dem 19. Mai 2001 trotzdem nicht mehr …

  • Ganz klar zu deuten ist der Gesichtsausdruck von Toni Schumacher nicht vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 7. Mai 1988. Nach dieser Partie dürfte sich die Miene des Schalker Keepers allerdings verfinstert haben. 0:0 heißt es am Ende. Damit ist der dritte Abstieg in die Zweite Bundesliga so gut wie besiegelt.

    Der Plan, um Schumacher und Olaf Thon eine Mannschaft aus Nobodys aufzubauen, scheitert. Außerdem bitter – Thon wechselt zu den Münchner Bayern. Ein Trost, den damals wohl noch niemand auf dem Schirm hat: Es wird der bisher letzte Abstieg für die Knappen sein, und auch Thon wird zurückkehren.

  • Rückkehr für Olaf Thon. Im Gelsenkirchener Parkstadion spielte der junge Mittelfeldspieler bis 1988. Für Schalke. Dann wechselt er zu den Münchner Bayern. Am 14. Juni tritt Thon (Dritter von unten) mit der deutschen Nationalmannschaft in seiner ehemaligen Heimstätte bei der EM 1988 an. 2:0 gewinnen die Deutschen, und Thon trifft auf gewohntem Terrain sogar per Kopf.

    Dieses Vorrundenspiel ist eine von insgesamt sieben EM- oder WM-Partien, die im Parkstadion ausgetragen werden. Außerdem finden dort acht weitere Länderspiele statt. Und auch Olaf Thon kehrt noch einmal zurück. Ab 1994 und dann auch wieder in Königsblau.

  • Er ist ein Mann des Volkes. Mannschaftsbetreuer und Publikumsliebling. Seit 1950 ist Charly Neumann Mitglied bei den Königsblauen und entwickelt sich zum „guten Geist“ in Gelsenkirchen. Sogar zum Präsidenten könnte er sich 1986 wählen lassen, zieht seine Kandidatur aber für Günter Siebert zurück.

    Als 1988 der erneute Abstieg in die Zweite Liga droht, geht er kurzerhand in die Kurve, zu den Fans. Die lieben ihn sowieso. Genutzt hat es aber nichts. Am Ende der Spielzeit 1987/1988 steigen die Knappen als Tabellenletzter ab. Immerhin ist es der letzte Gang in die Zweitklassigkeit. Ab der Spielzeit 1991/1992 sind die Königsblauen nur noch in der Bundesliga vertreten. Charly ist immer dabei – bis er 2008 stirbt.